Ohrstöpsel à la Ohropax® zum Schlafen – sinnvoll oder schädlich?

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Bei perfekt schlafen dreht sich alles um Ihren Schlaf und Lärm ist einer der häufigsten Gründe für durchwachte Nächte. Viele Menschen greifen dann zu Ohrenstöpseln, doch ist das wirklich sinnvoll? Wie lange darf man Ohrstöpsel benutzen und was muss man beachten? Erfahren Sie von uns die definitive Antwort zur Frage: Sind Ohrstöpsel wie Ohropax® die Lösung für guten Schlaf oder eine gesundheitliche Bedrohung?

Ohren, Lärm und guter Schlaf

Das Ohr ist ein wahres Wunderwerk. Kleinste Druckschwankungen in der Luft werden in Geräusche umgewandelt und selbst unser Gleichgewicht verdanken wir ihm! Im Innenohr befinden sich in einer Flüssigkeit fast 25.000 kleine Härchen, die auf die winzigsten Schallwellen reagieren. Diese Sinneshärchen sind so empfindlich, dass schon eine Verschiebung um die Breite eines Wasserstoffatoms ausreicht, um ein Signal zu erzeugen. Kein Wunder also, dass ein schnarchender Partner, trampelnde Nachbarn oder Autos vor dem Fenster ausreichen, uns um den Schlaf zu bringen.

Vielen Dank, liebe Evolution

Die Empfindlichkeit für Lärm in der Nacht haben wir der Evolution zu verdanken. Unsere Vorfahren mussten besonders dann, wenn viele Raubtiere auf Beutezug gehen, sprich bei Nächten unter freiem Himmel oder in unverschlossenen Höhlen, immer ein offenes Ohr haben. Was früher ein sinnvoller Schutz war, ist heute ein echtes Ärgernis. Denn Schlafmangel schadet der ganzen Gesundheit. Von anfänglichen Konzentrationsstörungen und Leistungsabfällen bis hin zu einem deutlich erhöhten Herzinfarktrisiko bei dauerhaften Schlafstörungen:

Schlafmangel wegen Lärm ist eine echte Gefahr!

Da sind Ohropax® eine verlockende Lösung. Einfach ins Ohr stecken und endlich wieder gut schlafen. Kann das so einfach sein?

Was bringen Ohrstöpsel?

Gut sitzende Ohrenstöpsel verringern Lärm um etwa 10 bis 20 Dezibel. Zum Vergleich: Mücken erzeugen etwa 10 Dezibel, Atemgeräusche 30, Schnarchen bis zu 70 und ein Gewitter bringt ganze 90 Dezibel zustande. Da fragt man sich: Wenn ein Schnarchen 70 Dezibel laut ist, was bringen da Ohrstöpsel mit einer Verringerung von 10-20 Dezibel? Tatsächlich eine ganze Menge, denn die Dezibel-Zahlen steigen nicht gleichmäßig an, eine Erhöhung um 10 Dezibel nehmen wir als doppelt so laut wahr! Mit Ohrstöpseln wie Ohropax® wird es also wirklich deutlich ruhiger. Zusätzlich sind die kleinen Lärmvermeider meist günstig, passen in jeden Nachttisch und sind schnell eingesetzt. Viele Ohrstöpsel sind sogar mehrfach verwendbar.

Die Ohrstöpsel-Varianten: Was passt zu mir?

Am häufigsten werden immer noch die einfachen Ohrstöpsel wie Ohropax® aus Schaumstoff gekauft. Diese rollt man einfach zwischen den Fingern zusammen, führt sie in den Hörkanal ein, wo sie sich dann ausdehnen und das Ohr verschließen. Daneben gibt es aber noch andere Varianten:

    • Silikon, Wachs und Schaumstoff

Die Klassiker unter den Ohrstöpseln bestehen aus einem dieser drei Stoffe. Welcher für Sie sich am besten eignet, hängt stark von Ihrem persönlichen Empfinden ab. Wachs und Silikon sind etwas dichter, können aber gerade beim Erstgebrauch unangenehmer sein, da sie ein starkes Gefühl der Abgeschiedenheit erzeugen. Schaumstoff fühlt sich sehr natürlich an, ist aber nicht ganz so schalldämmend

    • Kunststoff

Moderner sind Ohrstöpsel aus Kunststoff. Dabei handelt es sich um kurze Stäbchen, die meist mit drei rundum Lamellen ausgestattet sind. Der Vorteil: der Kunststoff lässt sich ideal reinigen, die Ohrstöpsel lassen sich also über sehr lange Zeiträume immer wieder verwenden!

    • Spezial-Anfertigungen

Für alle, die häufig mit starkem Lärm zu kämpfen haben, lohnt sich die Investition in individuell von einem Akustiker angefertigte Ohrstöpsel. Dabei wird ein Abdruck von Ihrem Ohr gemacht, sodass der Stöpsel ganz genau auf Ihre Anatomie hin zugeschnitten ist. Diese Variante ist allerdings deutlich teurer als die anderen.

Lärm und Psyche

Ein großes Problem bei Ohrstöpseln wie Ohropax® liegt in unserer Wahrnehmung von Lärm. Denn das, was wir als störend empfinden, hängt von unserer ganz persönlichen Bewertung ab. Daher können manche Menschen selbst bei starkem Lärm seelenruhig schlafen, wo hingegen andere schon das leiseste Atemgeräusch des Partners stört. Beide Menschen hören in etwa gleich – was sich aber unterscheidet, ist die Bewertung der Lärmquelle im Gehirn. Das heißt aber auch: Wenn Sie Geräusche als sehr störend empfinden, dann hilft häufig nicht einmal die Verringerung der Lautstärke viel. Das Gegenteil ist der Fall, da Ohrstöpsel wie Ohropax® ausschließlich bei einigen bestimmten Wellenlängen wirken, nimmt man Geräusche auf anderen Wellenlängen noch viel intensiver wahr. So können zum Beispiel die leichten Pieps-Geräusche von der Atmung des Partners verschwinden, dafür brummt der Kühlschrank aber plötzlich scheinbar doppelt so laut.

Jede Nacht Ohrstöpsel? – Gefahren und Probleme

Wie so oft im Leben gilt die Devise: Die Menge macht das Gift. Ein gelegentlicher, zeitlich begrenzter Gebrauch von Ohrstöpseln wird Ihnen nicht schaden. Problematisch wird es, wenn die Stille-Stöpsel regelmäßig oder sogar jeden Tag genutzt werden. Dann laufen Sie Gefahr, diverse negative Folgen davonzutragen:

    • Entzündungen und Pilze

Wenn das Ohr durch Ohropax®verschlossen wird, sammelt sich Feuchtigkeit. Und die sorgt dafür, dass sich Bakterien und Pilze in Ihrem Ohr so richtig pudelwohl fühlen. Die Folge können Entzündungen und Pilzinfektionen sein. Daher raten selbst große Hersteller von Ohrstöpseln, nach jeder Nacht mit Stöpsel eine Belüftungspause einzulegen

    • Ohrklima

Das Ohr hat, wie fast alle Öffnungen im Körper, ein ganz eigenes Mikroklima. Wird jetzt die Sauerstoffzufuhr abgestellt, sorgt das für ein Ungleichgewicht. Bakterien vermehren sich ungewollt und es wird mehr Ohrenschmalz produziert, um den Fremdkörper auszuspülen. Damit dieses Mikroklima nicht aus dem Gleichgewicht gerät, sollte man nur hin und wieder Ohrstöpsel verwenden

    • Süchte und Überempfindlichkeiten

Das größte Problem ist: Ohrstöpsel wie Ohropax® können richtig abhängig machen. Wenn man sich an die niedrigere Geräuschbelastung gewöhnt hat, erscheinen plötzlich selbst kleinste Geräusche im Schlaf extrem störend. Das Ohr hat sich dann an die fehlenden Geräusche angepasst. Viele Menschen brauchen anschließend Monate oder sogar Jahre, um sich wieder um zu gewöhnen oder schlafen ohne Ohrstöpsel nur noch mit einem Kissen auf den Ohren. Selbst am Tag kann sich diese Überempfindlichkeit fortsetzen und dauerhaft zu Konzentrationsschwierigkeiten oder Vermeidung von lauten Orten führen. Daher ist von einem täglichen Gebrauch in jedem Fall abzuraten!

Das Fazit: Ohrstöpsel ja oder nein?

Guter Schlaf ist lebenswichtig – Lärm hält uns vom Schlafen ab. Gerade bei sehr kurzem Gebrauch, zum Beispiel in einem Hotel oder wenn der Nachbar eine laute Party schmeißt, können Ohrstöpsel durchaus eine angenehme Lösung sein. Ohne eine zeitliche Begrenzung sollte man sich allerdings wohl überlegen, ob sich keine andere Lösung findet. Denn der Gewöhnungseffekt ist eine echte Bedrohung für Ihren zukünftigen Schlaf. Zumal das Gehirn sehr gut darin ist, ungewollte Geräusche auszublenden. Hier ist eine selbstständige Gewöhnung und gewollte Exposition viel sinnvoller. Ein Beispiel:

    • Der schnarchende Partner

Laute Schnarchgeräusche sind für viele Menschen ein echter Horror. Doch man kann sich daran gewöhnen. Denn viel von der Schlaf raubenden Wirkung hängt mit der Bewertung zusammen. Ein Meeresrauschen kann ähnlich laut werden und ist für viele sogar Schlaf förderlich. Versuchen Sie doch einmal das störende Geräusch weniger schlimm zu bewerten. Sorgen Sie vor dem Schlafengehen dafür, dass Sie so richtig erschöpft sind, am besten durch viel und anstrengende Bewegung. Nach der ersten Nacht, in der das Schnarchen Sie nicht wach gehalten hat, werden Sie das Geräusch schon ganz anders bewerten und nicht beim ersten Anzeichen eines Atemgeräusches vor Frustration mit dem Kissen neben sich schlagen wollen.

 

(Titelbild: Andrey Popov@ fotolia.com)

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